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Wer hatte die Idee mit der Buchmesse?

Kommende Woche kommt das Buch auf den Markt. Das Buch! Endlich. ”Einmal um die Welt, bitte!” Schick, groß, bunt, mit vielen Fotos und lustigen und traurigen Texten. Aber warum hat es der Verlag nicht einfach leise auf den Markt plätschern lassen? Nein, zur Leipziger Buchmesse sollte es präsentiert werden. Warum klein, wenn es auch gewaltig geht. Die Idee war natürlich genial. Wenn ich nur nicht hätte dabei sein müssen. Nicht nur das, ich sollte gleich auf drei Veranstaltungen das Buch präsentieren, vorstellen, einen Fotovortrag zeigen und eine Lesung halten. Wo ich doch so schüchtern bin (naja…). Aber wer A sagt und ein Buch veröffentlichen will, der muss auch B sagen und sich in die Höhle der Literaturlöwen begeben.

Es war aufregend. Wirbel, Hektik, Menschenmassen…

Über 2100 Aussteller aus über 40 Ländern gab es in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse. Irre! Alle stellten ihre neuen Titel vor, präsentierten ihr Land, ihren Verlag, diskutierten über die politische Lage in verschiedenen Regionen der Welt, über Krisenherde und alarmierende Entwicklungen.Dann gab es natürlich noch die Schöngeister. Die Literaten, die mit gespitzten Zungen in feinstem Schachteldeutsch über den Verfall der deutschen Sprache und deren letzte Zuckungen philosophierten. Die Kulturchefs der großen TV- und Radiosender fachsimpelten in näselndem Ton über tiefgründige Romane, deren schizophrene Helden in einer mehrdimensionalen Handlung in verschiedenen Ebenen mit schnell frequentierten Zeitsprüngen in den Abgrund der menschlichen Seele, der Welt und des Universums schlechthin blickten.Und dann waren da noch die Prominenten. Unbeachtet, scheinbar verlassen standen sie an den Ständen der Verlage und wackelten cool mit den Armen. Wir sprachen einige von ihnen an und sie waren sichtlich dankbar, dass sie einer erkannte und ihnen eine gewisse Aufmerksamkeit entgegen brachte. Es gab einfach zu viele von ihnen auf der Messe. Nur bei Ken Follett und ähnlichen Kalibern waren die Veranstaltungen gut besucht. Peter Escher zum Beispiel soll nach seiner Lesung, Messegerüchten zufolge, gerade mal ein einziges Buch signiert haben. War ich mit aufrechtem Gang und Zuversicht auf die Messe geschwebt, rutschte mein Kopf mehr und mehr zwischen meine Schultern zurück und mein Gang entwickelte sich langsam zu einem zaghaften Schleichen. Es gab ein ganz eindeutiges Problem: Ich hatte die Leipziger Buchmesse glatt unterschätzt.

Um wieder etwas mehr Selbstbewusstsein zu bekommen, wechselte ich die Seiten. Als Autor eines neuen Buches ist man immer in der Defensive und muss hoffen, dass die Kritiker das Buch gut finden und die Journalisten überhaupt darüber berichten. Aber, hä, hä – ich war ja selbst Journalistin. Ich bin es ja noch. Also spazierte ich ins Pressezentrum und ließ mich nachträglich mit meinen Ausweisen und meiner Visitenkarte akkreditieren. Nun hatte ich selbst so ein Presseschild um den Hals und strich über den Magazintitel „Disy“, der da aufgedruckt war. Sofort fühlte ich mich ruhiger. Das war mein Terrain. Entsprechend leger schlenderte ich ins Pressecafé und war erstaunt, wie voll es dort war. Unzählige Fernsehteams saßen da immer im Dreiergespann mit Kameramann, Techniker und Redakteur. Eifrige Printjournalisten stießen mit der Nase bald auf die Tastatur ihrer Laptops, während sie klappernd auf die Tasten hauten. Ältere Herren mit Nickelbrille und verknitterten Anzügen diskutierten gestenreich. Kaffee und Tee gab es kostenlos, andere Getränke kosteten einen Euro. Ich war die einzige in dem vollen Raum, die in diesem Moment eine Cola orderte, statt eines der Freigetränke. Ich brauchte Koffein und Zucker. Ich brauchte Mut. Spiegel, arte, Bibel TV waren die Auftraggeber der Herrschaften um mich herum. Aber auch RTL, ZDF und die Zeit waren dabei. Eigentlich saßen hier alle, die man sich als Autor auf einen Haufen wünschen würde. Falscher Ausdruck. Gerade in diesem Beitrag, ts, ts. Besser: Alle relevanten Medien waren an einem Platz vorhanden. Cool wäre gewesen, einfach aufzustehen und laut zu sagen: „Hallo, ich bin Anja und das ist mein Buch.“ Bei jedem fremden Buch, für das ich den Auftrag gehabt hätte, es zu promoten, hätte ich es gemacht. Für jeden fremden Autor, eine fremde Firma oder ein fremdes Produkt. Aber mein eigenes Buch… Das war mir viel zu peinlich. Leise wollte ich hinaus schleichen, kam aber zwangsläufig an dem Board für die Journalisten vorbei, wo die Pressekonferenzen bekannt gegeben wurden. Neben der Eröffnungs-PK, dem Auftritt des Gastlandes der Messe, der Türkei, und einer PK des VS Verband der deutschen Schriftsteller zum Thema „Streiter für kulturelle Werte“ und der Preisverleihung „World Citizen Award 2008“  stand noch eine PK auf dem Plan: Pressegespräch „Ein Mal um die Welt, bitte!“, Ort: M5, Verwaltungsgebäude, Ebene -1. Unter dem Punkt „Mitwirkende“ stand da:  Anja K. Fließbach (Autorin), Christa Winkelmann (Geschäftsführerin des BuchVerlags für die Frau). Bei den anderen stand da zum Beispiel Prof. Marcia Pally (New York University) oder Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse) oder Fritz Raff (ARD-Vorsitzender und Intendant des Saarländischen Rundfunks). Vor uns kam übrigens eine PK zum Thema „Lyrik im Deutschlandfunk“ und nach uns der Trendbericht Kinder- und Jugendbuch „Leselust und Lesefrust – Was haben die Ergebnisse von IGLU und PISA mit dem deutschen Kinder- und Jugendbuchmarkt zu tun?“, Veranstalter: der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Und was kam dann? Der Entschluss der kleinen Anja aus Dresden, hier ganz schnell zu verschwinden.

Aber die Suppe, die man sich einbrockt…

 

Morgen hier im Blog: Wie ich neben Herrn Scheck frühstückte, mit Roger Willemsen plauderte und plötzlich die Scheinwerfer angingen. 

Anja Fliessbach | 16. März 2008 | 23:47

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