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Disy weblog » 2008 » Juni » 01



Neuer Blickwinkel

Ehrlich gesagt, bin ich schon seit vier Wochen wieder im Lande. Aber wir mussten erstmal die aktuelle Disy abschließen und uns noch um zwei weitere Projekte kümmern. Eigentlich schreibe ich den Blog wirklich gern, aber es ist nicht so einfach wie bei einer Weltreise. Dann ist man “scheinbar” weit weg, hat das Gefühl, schreiben zu können, was man will und hat natürlich dann auch den entsprechenden Sinn dafür. Einfach ein PlaPla vom aktuellen Tagesablauf zu schreiben, ist zwar für Außenstehende sicher interessant bei solchen Jobs, Projekten und Konstellationen wie in meinen Leben. Ich selbst aber bin froh, wenn ich den Computer mal ausschalten kann und nicht an alles denken muss. Das fällt mir nämlich schwer. Mein Kopf wirbelt fast immer. Sobald mal ein Minütchen Ruhe eintritt, kommen die Ideen und ich fange an, neue Firmen, Bücher, Magazine, Veranstaltungen, Projekte zu kreieren. Das macht sich dann selbstständig und entrollt sich vor mir wie ein Teppich. ”Wenn man das so macht, dann kann man das so an die Sache anhängen, verbindet das mit dem und zum Schluss wird es für alle ein Gewinn.” Aus einer Sache ergeben sich dann gedanklich neue, die mit den ersten verbunden sind und die aktuellen Projekte mit einschließen. Dann bin ich so unruhig, dass ich am liebsten gleich die Firma gründen oder das Projekt beginnen würde, damit nicht erst ein anderer auf die Idee kommt. Ich habe einen relativ guten Blick für Marktlücken und Trends und habe mich bisher dann immer geärgert, wenn ich ein paar Monate später über die Leute gelesen habe, “die meine Ideen” dann umsetzten und damit - natürlich - erfolgreich waren. Die klauen die Ideen zwar nicht wirklich, aber sie schnappen sie aus der Luft, in der ich sie schon lange vorher erspäht hatte. Manche Entwicklungen sind so leicht voraus zu sagen. 

Manchmal ärgere ich mich, dass meine Tage schon so mit den Routinedingen ausgefüllt sind, obwohl das in meiner Position und bei dem Job noch besser ist, als bei anderen. Aber man kann doch nicht plötzlich mit ”alten” Dingen aufhören, die super laufen. Ja, einige dieser oben genannten Ideen habe ich ja doch umgesetzt. Aber weil es auch damals gute Ideen waren, laufen die natürlich dann auch einfach weiter und verselbständigen sich dann fast. Man muss einfach weiter machen, weil es dumm wäre, das nicht zu tun und kann aber die vielen anderen Dinge nicht beginnen. Man kann sich nicht klonen.  Und mal das zwei Jahre zu machen und dann das - dazu sind die Ideen zu erfolgreich und auch zu schade. Seltsam, dass dann das, was von außen gut aussieht und in Wirklichkeit ja auch erfolgreich ist, einen trotzdem manchmal nicht dauerhaft glücklich macht.

Eine kleine Lösung habe ich aber jetzt gefunden und vielleicht kommt das auch mit dem Alter. Ich gönne anderen den Erfolg und helfe ihnen dabei. Früher wollte ich oft gern die Einzige und Schnellste sein. Heute befriedigt es mich, wenn ich meine Ideen durch andere umsetzen lassen kann. Ich rede am Tag mit so vielen Menschen und lasse mir von ihren Erfahrungen und Problemchen erzählen. Viele sind Selbstständige, Firmeninhaber oder zumindest solche, die bissel was, mehr oder alles in ihrer Firma zu sagen haben. Erst höre ich nur zu und dann sprudelt es aus mir heraus. Manchmal rede ich mich dann in eine solche Euphorie, dass man richtig merkt, wie die Spannung in die Leute zurück kehrt. Wie sie sich freuen, wenn sich ein anderer mal über ihre Erfolge ehrlich mitfreut und wie dankbar sie sind, dass sich einer konstruktiv an der Lösung ihres Problems oder ihrer Schwierigkeiten beteiligt. Das ist eine ziemlich coole Sache und eigentlich habe ich das unbewusst schon lange so gemacht. Aber nun, wo ich mir der Sache bewusst bin und diese Möglichkeit ausbaue und erweitere, ist das ne tolle Sache für alle. Ich kann produktiv neue Projekte ins Leben rufen, Firmen neu aufstellen oder gar konstuieren, trage dabei kein Risiko und binde mich vorallem nicht mit viel Arbeit. Das Risiko wäre nämlich nicht das, was mich davon abhalten würde, noch eine neue kleine zu gründen und noch eine oder einen neuen Verlag oder sonst was, sondern die Zeit, der Aufwand und die Arbeit. Ich bin ein superfleißiger Mensch, aber wie schon gesagt, es würde sich ja alles übereinander lagern.

Also bin ich mal Schuster und bleibe bei meinen Leisten. Bin dabei, bestehende Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und wieder genießen zu lernen. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie gut ich es eigentlich habe, wie nett die Menschen um mich herum sind (die meisten) und dass die Kunst im Auswählen liegt. Nicht alles, nicht immer was Neues… 

Das alles war der Prozess, der mich seit der Reise und meinem letzten Blogbeitrag beschäftigt haben. Vielleicht hat es damit zu tun gehabt, dass es auf dem Schiff mal wieder ganz schön emotional rund ging und auch die Wellen mich diesmal tierisch genervt haben, dass ich mich zum ersten Mal gefragt habe, was ich da eigentlich mache. Und dass ich mir zum ersten Mal in manchen Situationen gewünscht hätte, wieder zu Hause in meiner Wohnung zu sein. Irre! Außgerechnet ich… Aber natürlich war die Reise trotzdem großartig. Hallo, wir sind mit dem Schiff nach New York reingefahren und haben mit der Amadea direkt an der 42th gelegen. Vom Schiff zu Fuß zum Broadway - wenn das nichts ist. Mehr dazu kommt…

Anja Fliessbach: 1. Juni 2008, 01:17

Ein Tag in New York

 DAS IST EIN BEITRAG VON NY:

 Heute ist mal wieder so ein Tag.

So ein Tag wo sich das Wetter in NY nicht entscheiden kann. Gestern war auch schon so einer. Am Tag davor hatte es sich jedoch entschieden: Es regnete den ganzen Tag in Stroemen. Und am Tag DAVOR war es ebenfalls entschieden, das Wetter (wenigstens bis zum spaeten Nachmittag, an dem es schliesslich doch noch zu troepfeln anfing): Strahlender Sonnenschein! Es war fruehlingshaft warm, und die winterblassen New Yorker konnten im Central Park auf dem Great Lawn liegen. Allerdings drang die Kuehle doch noch ein bischen durch, sobald sich die stetig zunehmenden Wolken vor die Sonne schoben. Da fing ich ein bischen an zu froesteln, und wickelte meine zur Vorsicht mitgebrachte Jacke um mich!

Was wegen diesem verrueckten Wetter wirklich lustig ist, ist die New Yorker Schuh-Szene dieser Tage: Nun haben wir ja schon ausgiebig Stiefel (Gummi und andere) und Flip-Flops kennengelernt. Heute (und gestern) sind beide Schuh-Arten wieder mal in etwa gleichem Masse vertreten (verTRETEN, get it?? Haaa-ha-ha!). Aehm . . . *hestel* also, nun gibt es aber noch die leicht zu uebersehende (wenn man wie manche in einem Loch lebt) goldene Mitte, schon seit mindestens 3 Jahren in NY der Renner, und dieses Jahr mehr beliebt denn je. New York’s Antwort zum “Halbschuh”, *trommelwirbel*: Der Ballerina!

Gerne in schwarz, aber gelegentlich auch in anderen Farben sieht man uns New Yorkerinnen in diesen Dingern durch die Strassen latschen. Die liebe ich! Habe mehrere Paare davon. Heute habe ich mal wieder meine neuesten an, aber nur mit Widerwillen: Ich wollte naemlich SOOOO gerne heute zum ersten Mal mit offenen Zehen gehen (Flip-Flops, bitte aufpassen, damit nix durcheinandergebracht wird!)Da es gestern einigermassen schoen war, hatte ich mich gestern endlich zur langersehnten Pedikuere getraut!

Letztes Jahr war der Fruehling so schoen, da hatte ich um diese Zeit schon meine zweite! Die Asiatinen (sind uebrigens Koreanerinnen, aber das kann ja nicht jeder einfach so wissen) in dem Laden kennen mich, weil ich dort schon 10 Jahre lang hingehe. Die haben sich sehr gefreut, mich zu sehen. Ansonsten war der Laden ziemlich ruhig, nur 2 oder 3 Kunden ausser mir. Das Wetter ist halt noch nicht so, dass einem zwingend nach einer Pedikuere waere.

Dann habe ich von meinen Ballerinas in meine mitgebrachte Flip-Flops gewechselt (man questscht frisch bemalte Zehen naemlich nicht in geschlossene Schuhe, auch wenn sie angeblich trocken sind. Das geht NIE gut aus. Aber auch das lernt man erst mit Erfahrung.) Als ich den Laden verliess, war mir mit meinen nackten Fuessen ploetzlich doch empfindlich kuehl. Habe regelrecht gefroestelt. Vielleicht haette ich doch noch ein paar Tage warten sollen. Aber ich bin halt so UNGEDULDIG . . . . ups, falscher Film, streichen.

Also, was gibt’s sonst noch so an Schuhen in New York? Okay. Vor ca. 3 oder 4 Jahren waren diese bunten janpanischen Schlaeppchen sehr beliebt. Sie haben flache Sohlen, sind vorne aus so Plastiknetz, und wurden zu der Zeit an jeder Strassenecke auf grossen Tischen fuer 99 Cent verkauft. Es waren ganze Farbenmeere von japanischen Schlaeppchen! So was kannte ich bisher noch gar nicht! Die Haendler an ihren langen Tischen auf dem Gehsteig (die mussten den ganzen Tag in der heissen Sonne stehen, die taten mir immer so leid. In Deutschland wuerde da sicher die Gewerkschaft eintreten) standen vor ihren Bergen von farbfrohen japanischen Schlaeppchen in allen Farben des Regenbogens und in allen erdenklichen Groessen. Sah das lustig aus! Meine damalige Frau und ich haben sehr gestaunt!

Dann sind diese grottenhaesslichen Treter mal ein paar Jahre vom Strassenbild vollkommen verschwunden. Und jetzt haltet euch fest: SIE MACHEN DIESES JAHR EIN COMEBACK! Habe sie gestern abend in einem Geschaeft gesehen, wenn auch noch selten an den Fuessen der New-Yorkerinnen (an meine Fuesse wuerden die haesslichen Dinger sowieso nie herankommen).

Dann gibt es auch noch die Crocs: Ebenfalls in allen Farben des Regenbogens erhaeltlich, und das schon seit mindestens zwei Jahren. Die sieht man aber nicht allzu oft. Also, nicht falsch verstehen, man SIEHT sie - mal - aber im Grossen und Ganzen sind die New Yorkeinnen nicht so von ihnen begeistert. Nicht so wie von den Stiefeln, Flip-Flops, und BALLERINAS.

Also will ich mal zusammenfassen: Im Moment Ballerinas, Ballerinas, und nochmal Ballerinas. Ausser es regnet in Stroemen. Dann greift man zu den Gummi-Stiefeln! Und nicht den Schirm vergessen! Das ist mir naemlich mal passiert. Da wurde ich ganz nass. Und ein andermal ist er mir kaputtgegangen, weil der Wind so geblasen hat. Mit traurigem Gefuehl steckte ich ihn in den Muelleimer. Komisch, dass man das hierzulande nicht von der Haftpflichtversicherung ersetzt bekommt. Aber das ist einen eigenen Blog-Eintrag wert. . .

20. Mai 2008 23:06  Deutsche Touristen

Anja Fliessbach: , 00:33

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