Neuer Blickwinkel
Ehrlich gesagt, bin ich schon seit vier Wochen wieder im Lande. Aber wir mussten erstmal die aktuelle Disy abschließen und uns noch um zwei weitere Projekte kümmern. Eigentlich schreibe ich den Blog wirklich gern, aber es ist nicht so einfach wie bei einer Weltreise. Dann ist man “scheinbar” weit weg, hat das Gefühl, schreiben zu können, was man will und hat natürlich dann auch den entsprechenden Sinn dafür. Einfach ein PlaPla vom aktuellen Tagesablauf zu schreiben, ist zwar für Außenstehende sicher interessant bei solchen Jobs, Projekten und Konstellationen wie in meinen Leben. Ich selbst aber bin froh, wenn ich den Computer mal ausschalten kann und nicht an alles denken muss. Das fällt mir nämlich schwer. Mein Kopf wirbelt fast immer. Sobald mal ein Minütchen Ruhe eintritt, kommen die Ideen und ich fange an, neue Firmen, Bücher, Magazine, Veranstaltungen, Projekte zu kreieren. Das macht sich dann selbstständig und entrollt sich vor mir wie ein Teppich. ”Wenn man das so macht, dann kann man das so an die Sache anhängen, verbindet das mit dem und zum Schluss wird es für alle ein Gewinn.” Aus einer Sache ergeben sich dann gedanklich neue, die mit den ersten verbunden sind und die aktuellen Projekte mit einschließen. Dann bin ich so unruhig, dass ich am liebsten gleich die Firma gründen oder das Projekt beginnen würde, damit nicht erst ein anderer auf die Idee kommt. Ich habe einen relativ guten Blick für Marktlücken und Trends und habe mich bisher dann immer geärgert, wenn ich ein paar Monate später über die Leute gelesen habe, “die meine Ideen” dann umsetzten und damit - natürlich - erfolgreich waren. Die klauen die Ideen zwar nicht wirklich, aber sie schnappen sie aus der Luft, in der ich sie schon lange vorher erspäht hatte. Manche Entwicklungen sind so leicht voraus zu sagen.
Manchmal ärgere ich mich, dass meine Tage schon so mit den Routinedingen ausgefüllt sind, obwohl das in meiner Position und bei dem Job noch besser ist, als bei anderen. Aber man kann doch nicht plötzlich mit ”alten” Dingen aufhören, die super laufen. Ja, einige dieser oben genannten Ideen habe ich ja doch umgesetzt. Aber weil es auch damals gute Ideen waren, laufen die natürlich dann auch einfach weiter und verselbständigen sich dann fast. Man muss einfach weiter machen, weil es dumm wäre, das nicht zu tun und kann aber die vielen anderen Dinge nicht beginnen. Man kann sich nicht klonen. Und mal das zwei Jahre zu machen und dann das - dazu sind die Ideen zu erfolgreich und auch zu schade. Seltsam, dass dann das, was von außen gut aussieht und in Wirklichkeit ja auch erfolgreich ist, einen trotzdem manchmal nicht dauerhaft glücklich macht.
Eine kleine Lösung habe ich aber jetzt gefunden und vielleicht kommt das auch mit dem Alter. Ich gönne anderen den Erfolg und helfe ihnen dabei. Früher wollte ich oft gern die Einzige und Schnellste sein. Heute befriedigt es mich, wenn ich meine Ideen durch andere umsetzen lassen kann. Ich rede am Tag mit so vielen Menschen und lasse mir von ihren Erfahrungen und Problemchen erzählen. Viele sind Selbstständige, Firmeninhaber oder zumindest solche, die bissel was, mehr oder alles in ihrer Firma zu sagen haben. Erst höre ich nur zu und dann sprudelt es aus mir heraus. Manchmal rede ich mich dann in eine solche Euphorie, dass man richtig merkt, wie die Spannung in die Leute zurück kehrt. Wie sie sich freuen, wenn sich ein anderer mal über ihre Erfolge ehrlich mitfreut und wie dankbar sie sind, dass sich einer konstruktiv an der Lösung ihres Problems oder ihrer Schwierigkeiten beteiligt. Das ist eine ziemlich coole Sache und eigentlich habe ich das unbewusst schon lange so gemacht. Aber nun, wo ich mir der Sache bewusst bin und diese Möglichkeit ausbaue und erweitere, ist das ne tolle Sache für alle. Ich kann produktiv neue Projekte ins Leben rufen, Firmen neu aufstellen oder gar konstuieren, trage dabei kein Risiko und binde mich vorallem nicht mit viel Arbeit. Das Risiko wäre nämlich nicht das, was mich davon abhalten würde, noch eine neue kleine zu gründen und noch eine oder einen neuen Verlag oder sonst was, sondern die Zeit, der Aufwand und die Arbeit. Ich bin ein superfleißiger Mensch, aber wie schon gesagt, es würde sich ja alles übereinander lagern.
Also bin ich mal Schuster und bleibe bei meinen Leisten. Bin dabei, bestehende Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und wieder genießen zu lernen. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie gut ich es eigentlich habe, wie nett die Menschen um mich herum sind (die meisten) und dass die Kunst im Auswählen liegt. Nicht alles, nicht immer was Neues…
Das alles war der Prozess, der mich seit der Reise und meinem letzten Blogbeitrag beschäftigt haben. Vielleicht hat es damit zu tun gehabt, dass es auf dem Schiff mal wieder ganz schön emotional rund ging und auch die Wellen mich diesmal tierisch genervt haben, dass ich mich zum ersten Mal gefragt habe, was ich da eigentlich mache. Und dass ich mir zum ersten Mal in manchen Situationen gewünscht hätte, wieder zu Hause in meiner Wohnung zu sein. Irre! Außgerechnet ich… Aber natürlich war die Reise trotzdem großartig. Hallo, wir sind mit dem Schiff nach New York reingefahren und haben mit der Amadea direkt an der 42th gelegen. Vom Schiff zu Fuß zum Broadway - wenn das nichts ist. Mehr dazu kommt…
