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Stilmöbel restaurieren
Oft sieht sich die Geschäftsführerin in ihrer Freizeit an der frischen Luft nach unbeachteten Schätzen um. Hat sie etwas Interessantes gefunden, arbeitet sie es auf. „Gerade den Retro-Stil finde ich toll, wie zum Beispiel kleine Schalensessel. Aber so etwas wird immer gleich weg geschmissen, weil die Leute denken, dass es altmodisch aussieht. Aber ich stelle es mir gleich mit einem schönen neuen Stoff bezogen vor.“
Die Nachfrage nach Restaurationen ist über die Jahre hinweg konstant geblieben und hat sich sogar leicht erhöht. Meist möchten die Leute am Ende ein ausgefallenes und repräsentables Produkt in den Händen halten. „Muster wie Federn und Farben in Metalloptik sind der Trend dieser Saison“, weiß Schwarzmeier.
Doch warnt sie auch vor sogenannten Fake-Restaurationen. Gerade bei Möbeln aus Italien oder dem nahen Osten hat schon so manch Einer eine böse Überraschung erlebt. „Oft sieht man schon, wenn man den Stoff abzieht, ob es sich um eine Fake-Restauration handelt oder nicht. Außerdem sollte das verarbeitete Holz Hart- und kein Weichholz sein“, erklärt Schwarzmeier. Auffälligstes Kriterium ist vor allem die Füllung des Polsters. Bei Repliken handelt es sich dabei meist um einfachen Schaumstoff, während bei Originalen Palmfasern und Pferdehaar verwendet wurde. Sollte nun ein historisch anmutendes Möbelstück auf seinem Dachboden finden, wäre es natürlich interessant zu wissen, aus welcher Zeit es stammt. Doch wie lässt sich das erkennen?
In jeden Fall braucht es wohl etwas Hintergrundwissen in Stilkunde um ein Stilmöbel in die richtige Zeit einordnen zu können. „Stellen Sie sich das Kronentor vom Zwinger und dazu das passende Möbelstück vor“, sagt Schwarzmeier. Denn gerade in Stilmöbeln finden sich fast immer Analogien aus der Architektur der jeweiligen Epoche. Einige Beispiele lesen Sie in der nächsten Disy Ausgabe.
Was ist die Idee hinter Ihrem Laden?
Aehlig: Zu mir kommen viele Menschen, die individuell Leben möchten und Ihrer Individualität in Ihren Wohn- und Arbeitsräumen Ausdruck verleihen möchten. Ich helfe ihnen dabei. Das Ergebnis sind Räume, die von der Komposition der Stücke, Farben, Stile und Patina so schön sind, dass es dem Betrachter bestenfalls den Atem verschlägt. Man ist in solch einem Moment total im Jetzt, wie bei einem guten Essen. Auf Dauer sind schöne, individuelle Räume Ausdruck von Erhabenheit.
Was ist das Faszinierende an Möbeln mit Patina?
Aehlig: Eine Patina ist eine Oberfläche, die sich mit der Zeit (durch Licht, Feuchtigkeit, Nutzungsspuren) verändert hat. Eine Patina ist sozusagen Ausdruck der Zeit, man kann dies nicht oder nur bedingt nachahmen. Umso älter die Patina ist, umso wertvoller - in meinem Maßstab. Ich bin Europaweit unterwegs, um alte Möbel aufzuspüren. Oft entdecke ich dabei ein Stück und denke sofort: Das passt perfekt zu einem bestimmten Menschen. Man kann das Wesen eines Menschen mit seiner Einrichtung wiedergeben.
Wie kommen Sie zu Ihren Möbeln?
Aehlig: Ich muss oft sehr weit fahren, habe aber ein großes Netzwerk von Antiquitätenhändlern, für die der Beruf eine große Leidenschaft darstellt. Das ist schön mitzuerleben. Die Liebe zu alten Sachen verbindet. Ich bin selbstverständlich auch auf Antikmärkten unterwegs, oft in Belgien und Frankreich. Dann natürlich immer mit Taschenlampe und Zollstock bewaffnet. Generell sollen Eyecatcher Charme und Leichtigkeit ausstrahlen.
Was passiert mit den Stücken, die Sie ankaufen?
Aehlig: Wir erledigen anfallende Restaurationsarbeiten hier im Laden oder in der Außenwerkstatt. Außerdem arbeiten wir mit einem großen Netzwerk von Meistern anderer Fachgebiete zusammen, wie mit dem Tischler, Drechsler, Glaser, Metaller, auch der Elektriker gehört dazu. Der nötige Arbeitsaufwand ist aber von Fall zu Fall verschieden. Damit sich Kunden das Endprodukt gerade bei Maßanfertigungen vorstellen können, visualisieren wir 3D und geben Farb-und Oberflächenproben vorab.
Gibt es genug Kunden für solche Objekte?
Aehlig: Das ist nicht das Problem. Im Gegenteil. Oft ist es so, dass es mehrere Interessenten für ein Stück gibt. Das ist natürlich manchmal schade, weil man auch Menschen enttäuschen muss. Unsere Möbel sind nun einmal Einzelstücke.
Wollen Sie manche auch einfach für sich behalten?
Aehlig: Nein, ich bin immer froh, wenn unsere Sachen an die richtige Stelle kommen, einen Nutzen erfüllen und Freude machen. Ein gutes Beispiel sind Lüster. Ich glaube, es gibt für jeden Lüster einen Raum, in dem er perfekt zu Geltung kommt. Es gibt auch für jeden Raum den perfekten Lüster, der dann einmal dort angebracht, die Generationen begleitet.
Lampen sind ein gutes Stichwort. Zerstören moderne Energiesparlampen nicht die Ausstrahlung eines alten Kronleuchters?
Aehlig: Nein, wir rüsten unsere Leuchter mit modernen Filament-LED Lampen aus, die das Design und die Lichtfarbe historischer Vorbilder imitieren. Alle unsere Stücke sind, trotz des Alters, nach der Restauration voll funktionsfähig.
Welches Ihrer Stücke hat die weiteste Reise hinter sich?
Aehlig: Viele Antiquitäten stammen aus England, Frankreich oder Italien. Außerdem haben wir neu hergestellte Stücke, die wir in Indien im Auftrag fertigen lassen, so können wir auf Form und Material Einfluss nehmen. Es ist manchmal so, dass die weite Reise oft noch vor den Stücken liegt. Wir haben in die Schweiz, nach Österreich, nach England, Amerika und Chile geliefert.